lyrik
lyrische prosa
von christine frischmuth
manila
heute wurde nach antwerpen verschifft
wir stopften unser heimweh in die hohlräume
der container und fragten den hafenarbeiter
nach dem weg nach arevalo. an unseren
körpern lief der schwülwarme regen vorbei.
wir gingen zu der frau, deren tochter in einer
nacht geflohen war, um nie zurückzukehren.
der süße geruch der pflanzen rings um ihr haus
lockte unsere ängste hervor. wir traten ein.
der aufsteigende dampf wickelte sich vom
zaun in unsere augen und tropfte über den leeren stuhl.
die wenigen worte, die wir sagten verschluckte
der betäubende lärm der spinnereien in unseren adern.
sie kochte unsere müdigkeit mit einer hand voll reis auf.
© frischmuth christine, dezember 2025